Die letzte Senatstour der „KG Rheinflotte“ liegt schon einige Jahre zurück, und als zufälligerweise der allgemeine Wunsch danach angesprochen wurde, kam der Vorschlag vom Senatspräsidenten, Gerd Möltgen, einmal eine Weinlese mitzumachen, bei allen Senatoren gut an. Dass einige Mitglieder aus Alters- bzw. gesundheitlichen Gründen diese Tour dann doch nicht mitmachen wollten, war durchaus verständlich. Schade war jedoch, dass die Teilnehmeranzahl bei Reiseantritt so gering war, dass man sich einen gemieteten Bus sparen konnte. Also transportierten sich in Absprache alle Teilnehmer dieser Fahrt mit den eigenen Pkw’s nach Alzey, was sich als gar nicht so verkehrt herausstellte, weil eine Gruppe noch bis Mittag arbeiten musste und später anreiste, während die andere Gruppe (Aschenbruck und Winterscheidt) bereits am frühen Nachmittag den ersten (Einkaufs-) Bummel durch das wunderschöne Alzey starten konnte.
Die spätere Gruppe (Harig, Nonnengässer, Möltgen), die gegen 16.30 Uhr im Best Western Hotel in Alzey eintraf, nahm sich trotzdem die Zeit, nach dem Einchecken im Hotel auch noch einen kurzen Bummel durch die Altstadt zu machen und um sich zur Einstimmung in ein erlebnisreiches Wochenende schon einen guten Schoppen zu gönnen. Es wurde also gleich nach einem kurzen Rundumblick auf dem Marktplatz (von Gabi Nonnengässer vom hohen Ross) im „Römer“ eingekehrt und ein für die Region typischer Imbiss bestellt: Zwiebelkuchen und dazu ein Glas herrlich süßer Federweißer.
Leider war es nur ein kurzer Ausflug, weil wir zum Abendessen um 19.00 Uhr wieder im Hotel sein mussten.Der reservierte Tisch im Hotelrestaurant war für uns bereits eingedeckt, und so haben wir gleich rundherum Platz genommen und uns als Aperitif ein kühles Bier, einen Federweißen oder „einen leckeren Roten“ bringen lassen.
Beim gemeinsamen Spanferkelessen wurden die ersten Eindrücke von der Gegend ausgetauscht und überlegt, wie denn der nächste Tag ablaufen könnte, denn keiner von uns hatte so eine Weinlese schon einmal mitgemacht, der uns einen Eindruck über die Arbeit eines Weinlesers vermitteln konnte. Ich glaube, sogar ein paar skeptische Gesichter gesehen zu haben, was die Weinlese anging. Karl-Heinz Nonnengässer behauptete sogar: „Ich kann jo noch niddens in Rau en Zeidung läse, wie soll ich dann do ene Wing läse“.
Was keiner von uns wusste: Es erwartete uns ein herrlich sonniger Tag, an den wir uns trotz Arbeit noch lange und gerne erinnern werden – aber auch mit verheerenden Folgen für den einen oder anderen und seine Mitmenschen.
Samstag, 03. Oktober
Nach dem gemütlichen Beisammensein von gestern – die Runde wurde erst weit nach Mitternacht aufgelöst – kamen wir doch gut aus dem Bett, alle konnten noch in Ruhe frühstücken, und der Bus für den Transfer zum Weingut kam auch erst kurz nach 9.00 Uhr. Dort angekommen, wurden gleich Tabletts mit Federweißer herumgereicht, wohl zur Stärkung, bevor es in den Weinberg ging. Wir waren nicht die Einzigen, an die 80 - 100 Personen wollten das Weinlese-Erlebnis mitmachen. Und wie sich später herausstellte, war es für die meisten Teilnehmer nicht das erste Mal, dass sie an dieser Gaudi teilnahmen.
Also dann, rauf auf den Anhänger, der von einem kleinen alten Traktor gezogen wurde, und ab. Pro Fuhre wurden so ca. 14 Leute und eine Aufsichtsperson zu den Reben gefahren. Die Fahrt war nicht gerade bequem, aber das tat unserer guten Laune keinen Abbruch, lachte doch die Sonne so früh am Morgen schon kräftig wärmend auf uns herab. An der Endstation waren bereits Tische und Bänke, ein Zelt und ein Tresen zur Essensausgabe aufgestellt, und was nicht fehlen durfte, Federweißer satt für jeden, der noch Flüssigkeitsbedarf hatte.
Ausgestattet mit einem großen Eimer, einer Schere – wer wollte, mit Gummihandschuhen – und kurzen Anweisungen, wie der Wein zu lesen ist, wurden je zwei Mann an eine Rebstockreihe abkommandiert , der eine rechts, der andere links. Und los ging’s…
Anfangs für uns Neulinge noch ein wenig mühsam, steigerten wir unser Schnitttempo bis zur Frühstückspause, dass die kleinen Traktoren, die jetzt dafür zuständig waren, durch die Reihen zu fahren und unsere vollen Eimer zu leeren, gar nicht nachkamen. „Eimer voll“ - wen wundert es da, dass der meistgerufene Satz fast gleichzeitig aus 5 verschiedenen Reihen kam, aber am lautesten war die Gabi Nonnengässer herauszuhören, die muss ja eine Geschwindigkeit vorgelegt haben…!
Na ja, wir haben den Traktorfahrern dann erst mal eine Pause gegönnt und sind selber zum Zelt zurück gelaufen, wo man schon mit dem zweiten Frühstück auf uns wartete – und wie sollte es anders sein: es gab ein großes Stück leckeren Zwiebelkuchen vom Blech und einen Bembel Federweißer oder als Alternative ein saftiges Stück Apfelkuchen und Kaffee.
Frisch gestärkt und guter Dinge ging es dann wieder in unsere Reihen zurück, jetzt allerdings nicht mehr vollzählig; einige Teilnehmer blieben bei dem herrlichen Sonnenschein auf der Bank sitzen. Waren es die, weswegen die Traktorfahrer nicht schnell genug voran kamen oder tat der Federweiße sein übriges?Unser Grüppchen hatte so viel Spaß an der Sache gefunden, dass noch fleißig bis zur Mittagspause weiter geschnitten und gepflückt wurde. Ob die Trauben-Einsammler auch am Tisch sitzen geblieben sind? Keine Ahnung, es dauerte jedenfalls keine 10 Minuten, kamen wieder – diesmal sogar von weiter her - die Rufe: „Eimer voll - ich brauch ’nen Eimer!“ (Ein Glück, dass wir im Weinberg waren und nicht zu Hause…, was würden wohl die Nachbarn denken: „Haben die noch keine Wasserspülung?!“). Damit wir unser flottes Arbeitstempo beibehalten konnten, wurden dann Kiepenträger eingesetzt, die durch die Reihen gingen, um unsere Ernte zu Fuß einzuholen.
Die Zeit verging rasend schnell und eh wir uns versahen, wurden „wir von der „Lese“-Gesellschaft“ zur Mittagspause gerufen. Diesmal gab es Kartoffelsuppe mit Bockwurst und – der Tradition folgend – einen erfrischenden Federweißen. Nach dem Mittag ging es für uns schon wieder ins Weingut zurück, weil wir mit der Hausherrin eine gemeinsame Weinprobe abgesprochen hatten. Während die letzten Weine von uns noch verkostet wurden, trudelte der Rest der Mannschaft aus den Weinbergen ein. Ob die wohl schon mit den verheerenden Auswirkungen zu kämpfen hatten, die so ein unvergorener Wein mit sich bringt…? Es fing in einer Ecke an, der Lotti Aschenbruck fiel es als erstes auf. Sie schaute sich um, konnte aber die Geruchsbelästigung niemandem zuordnen. „Das kommt von draußen. Gabi, mach’ doch mal die Tür zu. Das wird ja immer schlimmer!“ Aber auch bei geschlossener Tür hielt sich „der Duft der großen weiten Welt“ - also Tür wieder auf. Bei dem Andrang ließ sich nicht mehr einwandfrei feststellen, wer der Verursacher dafür war. Es sollte noch schlimmer kommen… Die Runde wurde bald aufgelöst, weil wir noch ins Hotel wollten, die Arbeitsklamotten loszuwerden und um uns für das „Weinlesefest“ parat zu machen. Es wurde geduscht, gefönt, geschminkt und gekämmt, denn der bestellte Bus sollte beizeiten vor der Hoteltür stehen. Fast hätte die Wilma den Anschluss verpasst, weil verschlafen, schaffte es dann aber doch noch pünktlich vor die Tür. Der Shuttle-Service ließ eh noch etwas auf sich warten.
Bei Hinkel’s angekommen hießen uns die Hausherren und –damen erst einmal mit einem guten Schlückchen Sekt willkommen. Es war noch angenehm warm, so dass wir uns zum Sektempfang - nur mit einer leichten Jacke bekleidet - noch gut im großen Innenhof aufhalten konnten. Mittags hatten wir schon einen kurzen Blick in die so genannte Scheune werfen können, wo für uns mit herbstlichen Impressionen bereits festlich geschmückt und eingedeckt war.Die „Lucky Lips“ spielten für uns die besten Stücke aus ihrem reichhaltigen Repertoire, für jung und alt, es war für jeden was dabei. Zu dem wirklich tollen Buffet gab es leisere, leichte Töne, aber später wurde richtig abgerockt. Es gab nach dem Essen sogar noch eine kleine Musik-, Show- und Sketcheinlage von verschiedenen Kleinkünstlern aus der Region.
Aber dann ging die Post richtig ab, die Musikband spielte auf und in Windeseile waren wir hoch von den Bänken und jeder tanzte und schunkelte für sich oder mit denen von den Nachbartischen und sang mit, was die vom Wein geölten Stimmbänder hergaben - bis auf den Karl-Heinz Nonnengässer, der nicht so richtig in Stimmung kommen wollte, weil er ein leidenschaftlicher Asbach-Cola-Trinker ist, waren alle nach einiger Zeit recht weinselig und beschwingt. (An dieser Stelle unseren ganz lieben Dank, Karl-Heinz, dass Du tagsüber den Hund in Deine Obhut genommen hast). Natürlich war es unsere Pflicht, Frau und Herrn Dr. Hinkel für diesen schönen Aufenthalt mit unseren Orden zu würdigen. Also gingen unser Senatspräsident, Gerd Möltgen, und der Ehrenvorsitzende, Günter Aschenbruck, nach vorne und überreichten diese ganz offiziell.
Apropos Windeseile, in so bewegter, ungezwungener Atmosphäre sollte ein kleiner „Fuzz“ kaum auffallen, aber der über Tag genossene Wein ließ irgendjemandes sensiblem Darm keine Ruhe. Verdächtig waren alle, aber niemand konnte konkret ausgemacht werden, und wer wollte den oder die Übeltäter darauf ansprechen? So kam es, dass die Damen ihre Gläser mit Servietten abgeschirmt haben, weil sie befürchteten, die „dicke Luft“ könnte sich auf den guten Tropfen legen und den Geschmack zunichte machen. Also ertrugen wir es mit kölschem Humor, nicht ohne am späteren Abend einige bissige Kommentare darüber abzulassen, über die wir dann herzlich lachen mussten, denn auch einige von uns blieben von den Auswirkungen nicht verschont.
Bei der Verabschiedung war der späte Abend eigentlich schon ein früher Morgen, trotzdem trafen wir uns alle nach nur wenigen Stunden Schlaf gemeinsam im Frühstücksraum, der eine oder andere mit mehr oder weniger Appetit. Bevor es wieder nach Hause ging, haben wir natürlich den vergangenen Abend noch einmal intensiv Revue passieren lassen, dabei waren wir uns einig, dass es insgesamt ein großartiges Erlebnis war.
Also hiermit noch einmal ein herzliches Danke an die Familie Hinkel und alle, die mitgeholfen haben, das Wochenende war wie versprochen rundherum perfekt.